Gute Nachbarschaft mit Wildschweinen: Ein paar Hinweise | Aktuelle Nachrichten und Informationen

„Da steht ein Schwein im Garten!“ - Dieser Satz fällt öfter, als man denkt...

Gute Nachbarschaft mit Wildschweinen: Ein paar Hinweise

Im Moment erreichen uns wieder öfter Berichte von Menschen aus Niedernhausen, die Begegnungen der „schweinischen Art“ hatten. Derzeit sind Wildschweine sehr oft außerhalb des Waldes, im Feld und sogar in der Nähe menschlicher Behausungen auf Futtersuche unterwegs.

Noch öfter als die Tiere selbst sieht man ihre Spuren: Wo eine Wiese aussieht, als sei sie mit schwerem Gerät umgegraben worden, waren wahrscheinlich Wildschweine unterwegs. Die Tiere sind Allesfresser, das Graben (in der Jägersprache spricht man von „Brechen“) im Boden dient der Suche nach Wurzeln, Insekten oder Mäusen. Als Werkzeug benutzen die Wildschweine ihre starke Schnauze – die man demnach auch als „Gebrech“ bezeichnet.

Wie alle Wildtiere meiden Wildschweine in der Regel die Begegnung mit dem Menschen. Durch ihren guten Geruchs- und Gehörsinn bemerken sie uns meist lange bevor wir sie sehen und machen sich davon. Davon gibt es eine Ausnahme, die wir zur Kenntnis nehmen sollten: In der Zeit von Februar bis Mai bekommen Wildschweine Junge. Weibliche Wildschweine („Bachen“) können derzeit 3-10 Jungtiere bei sich haben, die beim Wildschwein übrigens nicht Ferkel, sondern „Frischlinge“ heißen. Wenn die Bache einen Menschen oder Hund als Bedrohung für ihre Frischlinge sieht, kann sie unter Umständen angreifen. Da Wildschweine sehr scharfe Zähne haben, endet so ein Angriff im schlimmsten Falle mit schweren Verletzungen. Eine Bache kann bis zu 80 Kilo schwer werden, es ist also auch „ordentlich Wumms dahinter“ – mit so einem Tier ist nicht zu spaßen!

Wildschwein-Angriffe auf Menschen oder Hunde sind selten, am besten lassen wir es erst gar nicht so weit kommen! In der Zeit, in der Wildschweine ihre Jungen bei sich haben (sie fällt in die so genannte „Brut- und Setzzeit“ von März bis Juli) sollten wir im Wald auf den Wegen bleiben und Hunde an der Leine führen. Wildschweine sind bevorzugt in der Dämmerung aktiv und halten sich tagsüber gerne in dichtem Bewuchs (Neuanpflanzungen, Gebüsche) auf. Solche Bereiche sollten besser nicht betreten werden! Das dient unserem eigenen Schutz, aber auch dem Schutz der Wildtiere.

Begegnungen mit Wildschweinen außerhalb des Waldes, zum Beispiel auf dem Feld und in Gärten kommen immer öfter vor. Aus Oberjosbach berichtet man uns dieser Tage zum Beispiel von Wildschweinen, die am Pfingstweidweg unterwegs sind. Auch hier empfehlen wir, aufmerksam zu bleiben und Hunde möglichst an der Leine zu führen. Wenn man beim abendlichen Verdauungsspaziergang auf Wildschweine trifft, sollte man auf jeden Fall Abstand halten und sich ruhig, aber zügig zurückziehen.

Die Bestände der „Schwarzkittel“ haben sich in den letzten Jahren stetig nach oben entwickelt. Genaue Zahlen lassen sich nicht ermitteln, die von Jägern erlegten Tiere zeigen aber eine Tendenz. Im Jagdjahr 2023/24 wurden in Hessen 61.313 Wildschweine erlegt, 2.027 Tiere starben bei Wildunfällen (Quelle: Hessisches Ministerium für Landwirtschaft). In großer Zahl vorkommende Wildschweine verursachen schwere Schäden in der Landwirtschaft, weil sie Anbauflächen umwühlen und abfressen. Leider sind die Tiere auch Träger ansteckender Krankheiten wie der Afrikanischen Schweinepest (ASP), die auch auf Hausschweine übertragbar sind. Daher wird in unserer Region derzeit versucht, die Wildschweinbestände durch verstärkte Bejagung zu verkleinern.

In jedem Fall bitten wir alle, die in Niedernhausen in Wald und Feld unterwegs sind, um rücksichtsvolles Verhalten – damit es gar nicht erst zu Konflikten kommt!

Kleines „Wildschwein-Lexikon“

Rund um das Wildschwein gibt es in der Jägersprache zahlreiche Fachbegriffe. Diese tauchen auch manchmal in den Medien auf, daher hier eine kleine Begriffserklärung:

Bache: Weibliches Wildschwein

Brechen: Wühlen nach Nahrung

Frischling: Wildschwein-„Ferkel“ im ersten Lebensjahr

Keiler: Männliches Wildschwein

Kessel: Eine Art „Nest“ aus Ästen, Blättern und Moos, die Bachen für ihre Frischlinge anlegen

Malbaum: Baum, an dem sich Wildschweine das Fell reiben, meistens, nachdem sie sich im Schlamm gewälzt („gesuhlt“) haben - dies dient der Fellpflege und um Parasiten (z. B. Zecken) los zu werden. An einem solchen Baum ist „auf Schweinehöhe“ die Rinde glatt gerieben.

Rotte: Gruppe von Wildschweinen

Schwarzwild: Sammelbegriff für Wildschweine aller Altersstufen.

Überläufer: Junges Wildschwein im 2. Lebensjahr